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Das Problem der Euthanasie habe ich immer für ein Thema gehalten, das so kompliziert ist, dass es sogar kompliziert wird eine Meinung darüber zu bilden. Im Prinzip bin ich für Euthanasie, aber nicht ohne weiteres; es gibt soviele Situationen, in den Euthanasie zur Sprache gebracht werden kann und meiner Meinung nach darf Sterbehilfe nicht in jeder dieser Situationen angewendet werden.
Zufälligerweise habe ich vor einigen Tagen auch mit meiner Mutter über dieses Thema geredet. Das Gespräch fing an, als sie sagte: "Ich hoffe nicht, dass ich später so leben muss wie […], denn so will ich nicht leben." Die Person, von der wir sprachen, leidet an vaskulärer Demenz. Dieser Art der Alzheimer-Krankheit ist das Resultat einer Infarzierung des Gehirns (z.B. multiple Infarkte in der Hirnrinde) als Folge einer vaskulären Krankheit und hat Desorientierung, Gedächtnisverlust, schlechte Motorik, usw. zur Folge. Das traurige ist, dass die Person, die wir kennen, sich der Situation regelmäßig gut bewusst ist und sehr betrübt darüber ist.
Samstags arbeite ich in einem Krankenhaus. Dort habe ich viel mit unheilbar kranken Menschen zu tun und auch in meiner eigenen Umgebung bin ich damit bekannt. Diese Menschen haben schreckliche Schmerzen und schließlich können sie sich selbst kaum oder gar nicht mehr versorgen; sie sind von anderen abhängig.
In diesen zwei Situationen bin ich eine Befürworterin der Euthanasie. Die Beispiele zeigen, dass diese Menschen kaum noch ein menschenwürdiges Dasein führen. Meiner Meinung nach haben sie dann das Recht zu sagen, dass sie jetzt nicht mehr weiterleben wollen. Denn das ist m.E. ein wichtiges Kriterium für Euthanasie: haben diese Menschen noch ein menschenwürdiges Dasein oder nicht?
Eine andere Situation. Was passiert, wenn eine depressive Person Euthanasie durchführen will? Einerseits bin ich der Meinung, dass Euthanasie in diesem Fall nicht die richtige Lösung ist, da mittels Therapie und (enormes) Einsatzes der Person selbst sehr viel möglich sein sollte. Andererseits können wir aber nicht bestimmen, wie diese Person sich fühlt. Wenn man nur den Tod als Ausweg sieht und Euthanasie wird nicht genehmigt, dann wird man trotzdem eine Weise finden, sich das Leben zu nehmen. Können wir Euthanasie dann nicht besser erlauben, damit diese Personen menschenwürdig sterben können, statt dass sie aus dem Fensten oder vor einen Zug springen?
Wenn man noch bei "vollem Bewusstsein" ist, kann man eine Euthanasie-Erklärung unterzeichnen, in der man erklärt in welchen Situationen er Euthanasie durchführen will. Wenn man zum Beispiel erklärt nicht mehr leben zu wollen, wenn er leidet an Demenz und sich Sachen, die in seinem Leben wichtig waren (z.B. Familie), nicht mehr bewusst ist, muss ein Arzt Euthanasie durchführen, wenn man tatsächlich Alzheimer bekommt.
Ist so eine Erklärung aber immer gültig? Ich errinere mich einen Dokumentarfilm über eine Frau, die jemals auch eine Euthanasie-Erklärung unterzeichnet hatte. Als sie aber Alzheimer bekam und ihre Familie sie an die Erklärung erinnerte, wollte sie nichts davon wissen; obwohl sie ihre Familie nicht mehr erkannte, war sie sehr glücklich.
Ich habe jetzt einige Situationen beschrieben, in den Euthanasie angewendet werden könnte. Ich habe gesagt, dass meiner Meinung nach die Frage, ob für die Person, die Euthanasie durchführen will, noch ein menschenwürdiges Dasein möglich ist, sehr wichtig ist. Dies könnte aber nicht der einiger Maßstab sein, denn was ist ein menschenwürdiges Dasein? Wie schon gesagt können Dementierender sehr glücklich sein. Und gibt es für depressive Menschen wirklich keinen Ausweg mehr?
Das ganze Thema ist also sehr kompliziert. Für mich zu kompliziert um nur zu sagen ob ich dafür oder dagegen bin. Wir haben leicht reden, wenn wir entscheiden, dass eine Person, die depressiv ist, keine Euthanasie durchführen darf. Meiner Meinung nach kann man als Außenstehende(r), wie ich, kaum darüber urteilen. Und ich will hoffen, dass ich auch nie darüber urteilen brauche!
Margit
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