| Interviews mit Deutschen in Japan - Keio-Universität (SFC) im HS 2004/05 |
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Die Interviewerinnen
Die Interviews wurden von Momoko, Yuki und Chieko geführt. Yuki und Chieko haben den Intensivkurs am SFC absolviert, Momoko hat außerdem ein Jahr an der Uni Siegen studiert.
Die Interviews
"Jan Verbeek" *1966 in Bonn; 1987-89 Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Kommunikations- forschung an der Universität Bonn; 1989-96 Studium der Freien Kunst bei Nan Hoover und Nam June Paik, Kunstakademie Düsseldorf; 1993 Meisterschüler bei Nam June Paik; 1996-99 Postgraduiertenstudium an der Kunsthochschule für Medien, Köln; Arbeit im Bereich Video und Videoinstallation; lebt und arbeitet z.Zt. in Japan.
Ein Ausschnitt aus diesem Interview steht als Download zur Verfügung (11.2 MB, 1:07). 1. Warum haben Sie Japan ausgewählt? Ich hatte Gefühl, dass in Japan etwas mit meiner Arbeit zu tun hat. Ich wusste, dass in Japan dieser Kontrast (laut-leise, lang-kurz) sehr stark ausgeprägt ist. In Japan ist es fast alles anders als in Deutschland und man ist in ganz anderer Umgebung dann bekommt man auch neue Ideen. 2. Wie lange sind Sie schon in Japan? Ich bin vor 2 Jahren nach Japan gekommen. 3. Haben Sie Schwierigkeiten in Japan (zu leben, zu arbeiten)? Man hat immer etwas Schwierigkeiten. Aber es ist nicht schwer in Japan zu leben. Ich war überwältigt von Freundlichkeit. Ich habe kein Tag allein oder verloren gefühlt. Ich hatte eine Austellung in Japan gemacht, aber es ist überall nicht leicht eine Austellung zu machen. 4. Was denken Sie über Videokunst in Japan? Das ist gar nicht so leicht zu sagen, weil ich nur einiges gesehen habe. Irgendwie ist alles heutzutage global. Ich glaube die Japaner sind technisch sehr versiert. Und man kann nicht sagen dass alles sehr ähnlich ist, man sollte etwas eigene Sprache haben. Wenn in Japan alles gleich oder Rest der Welt alles anders als in Japan wäre ist es auch nicht gut. Auch in Japan sind die Künstler sehr individuell. 5. Was ist für Sie der größte Unterschied zwischen japanischer und deutscher Kultur? Ich sehe die Tendenz auch, aber insgesamt ist die Gesellschaft doch so aufgebaut, dass jeder erstmal versucht nicht aufzufallen. Das ist so dass niemand dem anderen zu nahe kommen will.Und ich finde das angenehm. In anderen Ländern ist es manchmal zu viel. Und das stimmt auch nicht dass die Japaner verschlossen sind. 6. Haben Sie in Japan eine neue Anregung für Ihre Kunst bekommen? Ja, natürlich. Wie unterschiedlich Japan im Vergleich zu Deutschland ist, ist für mich eine Anregung. Wenn man in eine total andere Kultur kommt, dann ist das Fundament auch alles anders. Nicht nur die Software sondern die Hardware ist anders. Die Anregung geht auch zu Kunst. Als ich in Japan kam, hat es für mich schwer gefallen Kunst zu machen. Weil ich mich einfügen wollte. Aber dann nach einiger Zeit ging es mir gut. ![]() 7.Haben Sie schon einmal in einem anderen Land gelebt? (wo, wann, wie lange, warum)? Was war der größte Unterschied zum Leben in Japan? Nicht für lange Zeit. Für 2 Monaten, in England, Polen, Ungarn. Diese Kulturen sind auch anders als in Deutschland, aber nicht so konkret wie in Japan. 8. Reagieren die Leute in anderen Ländern unterschiedlich auf Ihre Kunst? 9. Hat Ihre Kunst eine gesellschaftliche Botschaft? Es ist keine politische Kunst, auch nicht primär gesellschaftlich. Aber irgendwie doch sehr stark. In übertragene Sinne oder in poetische Sinne besonders stark. Ich freue mich, wenn diejenige, die das sehen und hören auf eigene Gedanke und Empfindungen kommen. 10.Warum haben Sie den japanischen Zug gefilmt? Das ist ein Beispiel was hier anders ist. Das ist sehr erstaunlich für mich wie gleichgültig was alles läuft. Und gleichzeitig denke ich auch dass die Menschen innerlich doch sehr mit sich kämpfen oder diese Situation gar nicht so wollen. Aber nach Aussehen ist es alles so ruhig, und diesen Kontrast wollte ich zeigen. Mit dem Video hatte ich Ideen irgendwie in die Menschen rein zu kommen. 11. Ist der Mann in dem Film Sie selber? Das zweite Interview führten wir mit zwei deutschen Austauschstudenten an den Universitäten Hosei und Keio. Ein Ausschnitt aus diesem Interview steht als Download zur Verfügung (13.9 MB, 1:23).
Hallo! Ich heiße Matthias Hickstein, bin zur Zeit 23 Jahre alt und besuche
seit September 2004 für ein Jahr lang als Austauschstudent die
Keio-Universität. Im Wesentlichen konzentriere ich mich momentan auf den
Ausbau meiner Japanisch-Kenntnisse. In Deutschland studiere ich an der
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf die Fächer Modernes Japan,
Politologie und Soziologie. In meiner Freizeit drehe ich Kurzfilme und laufe
in letzter Zeit desöfteren mit der Videokamera durch Tokyo. Allerdings
wird es mir kaum gelingen selbst während eines Jahresaufenthalts alle
Sehenswürdigkeiten und Kuriositäten, die diese Stadt zu bieten hat,
festzuhalten.
Im Sommer 2000 habe ich Japan im Zuge eines Jugendaustauschprogramms das
erste Mal besucht und mich quasi in das Land verliebt. Von japanischen
Germanistikstudentinnen auf Deutsch zum Leben in Japan interviewt zu werden,
war für mich eine neue und spannende Erfahrung, wobei es für mich nie so
ganz leicht zu erklären ist, warum mich Japan so sehr fasziniert. (Ich hoffe
Ihr wart mit den Antworten zufrieden ^_^...)
Name: Dörte Barsch
Geboren am: 14.05.1982 in Neubrandenburg Schulbildung: 2000: Abitur am Sportgymnasium Neubrandenburg Studium: 2000 - 2001: 'Mediensysteme' an der Bauhaus Universität Weimar seit 2001: 'Medien - Planung, -Entwicklung und -Beratung' an der Universität Siegen 2004: 3monatiges Studium in Indien an dem 'Film-Institute of India (Puna)' 2004/2005: Auslandsjahr in Japan an der 'Hosei- University (Tokyo)' 1. Gibt es Unterschiede zwischen dem Studiensystem in Japan und in Deutschland? 2. Habt ihr japanische Freunde gefunden? 3. Gibt es Unterschiede zwischen euren Erwartungen an Japan und der Realität? 4. Welche Schwierigkeiten habt ihr im Alltag? 5. Ist die Unterrichtsatmosphäre in Japan anderes als Deutschland? 6. Habt ihr Schwierigkeiten mit den Verkehrsmitteln in Japan? Am 17. 11. waren unsere Interviewpartner zwei Deutsche, die ihren Ersatzdienst in einer Einrichtung in Saitama leisten. Ein Ausschnitt aus diesem Interview steht als Download zur Verfügung (13.9 MB, 1:23). Kei arbeitet in Moment im so genannten "Gakudo" Klub. Er hat keine Probleme mit Sprache. Tilman ist gerade in "Dayservicecenter". K=Kei T=Tilman 1. Warum habt ihr euch entschieden nach Japan zu gehen? T: Ich habe im Japanischen Zentrum zwei Jahre Japanisch studiert und dort habe ich japanische Kultur und Sprache interessant gefunden. K: Ich bin Halbjapaner, deshalb habe ich Japan ausgewählt. 2. Wo und wie wohnt ihr jetzt in Saitama? T: Wir wohnen zusammen in einem kleinen Zimmer über der Einrichtung. Dort wohnen viele andere Leute 3. Wovon lebt ihr jetzt in Japan? (Das heißt, wovon bekommt ihr das Geld zu leben in Japan?) K: Wir kriegen Taschengeld von der Einrichtung und die Wohnung gestellt. In Japan, denke ich, sind Nahrung und Transport teuer. 4. Warum arbeitet ihr ausgerechnet in Saitama? T: Es gibt keinen Grund. Die Einrichtung ist nur in Kazo, Saitama. 5. Habt ihr eine Qualifikation in Japan zu arbeiten? (Normalerweise braucht man eine Qualifikation, wenn man im Kindergarten arbeiten möchte.) K: Eine spezielle Qualifikation war nicht nötig, also, wir sind jetzt so gesehen die dritten hier. Zum Beispiel mein Vorgänger spricht nicht Japanisch. 6. Warum habt ihr den Kriegsdienst verweigert? K: Ich bin Zwei gemustert und möchte irgendwas Soziales machen, wenn es möglich ist. H: Ich habe eine starke Abneigung gegen Militär, deshalb für mich war Wehrdienst gar keine Frage. 7. Ist es in Deutschland normal, den Kriegsdienst zu verweigen? K: Ja, die Prozentzahl ist 50/50. In meiner Schulstufe, ist 1 von 60 Studenten zur Bundeswehr gegangen, und machen knapp 10 Leute Zivildienst in Ausland. T: Natürlich es ist nicht gerecht, dass nur 1 geht zur Bundeswehr geht. 8. Habt ihr in der Schule viel über den Krieg gelernt (Kommentar)? Kommentar: Ich höre oft, dass die Erziehung in Japan über den Krieg nicht genug ist. T: In der deutschen Schule von 5 bis 13 Stufe gibt es einen Unterricht, so genannt ‚Politische Bildung'. Dort lernen Studenten jedes Jahr in einer bestimmt Phase, was die Nazis gemacht haben mit schlimmen Films usw. Jedes Jahr kommen neue Sachen, dann lernt man wirklich diese Sachen zu hassen. Natürlich lernt man auch wie denkt man heute über Nazi oder so. So denke ich, dass wir gut, echt viel lernen. Das war ganz früh in der Schule. K: Wir kommen aus verschiedenen Städten, ich komme aus Süddeutschland, es war bei mir nicht so viel. Aber wie er gerade gesagt hat, wir haben darüber auch gesprochen. 9. Denkt ihr, dass Japaner auch Zivildienst (Militärdienst) machen sollen? K: In Japan gibt es eine Berufsarmee. Die Notwendigkeit vom dem Zivildienst ist, glaube ich unbedingt gegeben. Ich denke, der Zivildienst, was man nach der Schule macht, ist nicht schlecht, aber gute Erfahrung. T: Ich denke, das ist gar keine so schlechte Sache, weil zuerst wenige Junge Leute diese Sachen wüssten. Und zum zweiten dieses ganzes System in Deutschland zusammenbrechen würde. 10. Was möchtet ihr nach dem Zivildienst machen? K: Ich will nach Deutschland zurückgehen, und International Management studieren. T: Nach dem Zivildienst studiere ich Physik in Deutschland. Für das vierte Interview besuchte uns ein Deutscher, der in Hayama (Zushi) eine Akupunkturpraxis betreibt Ein Ausschnitt aus diesem Interview steht als Download zur Verfügung (11.6MB, 1:09). Ich heiße Thomas Blasejewicz, bin zwar gebürtiger Deutscher, lebe jedoch inzwischen seit 26 Jahren in Japan.
Nach mehr oder minder intensiver Beschäftigung mit "Kampfkünsten" wie Judo,
Aikido, Tai Chi und dergleichen in Deutschland hat mich der brennende Wunsch
Kyudo (japanisches Bogenschießen) zu lernen, mit 22 Jahren nach Japan
getrieben. Was eigentlich nur eine 1-jährige Reise hätte werden sollen, hat
sich schließlich in einen lebenslangen Aufenthalt verwandelt.
In Japan habe ich dann vor etwa 20 Jahren Lizenzen als Akupunkteur etc. erworben und vor etwa 10 Jahren meine eigene kleine Akupunkturpraxis eröffnet. In meiner Praxis bemühe ich mich seither medizinische Betreuung nicht als "Geschäft" zu betreiben, sondern eher zu versuchen, den Patienten Wege zur Unabhängigkeit von medizinischer Betreuung aufzuzeigen. Ich versuche alle eventuellen Anfragen nach bestem Wissen und Gewissen so schnell wie möglich zu beantworten. 1. Warum haben Sie Akupunktur angefangen? Einmal, weil ich keine andere Arbeit hatte. Zum anderen, weil ich mich persönlich für orientalische Philosophie interessiere. 2. Es ist schwer zu verdienen? Nur mit Akupunktur funktioniert es nicht? Für mich nicht. Ich habe überhaupt kein Talent Geschäfte zu machen. Geld verdienen liegt mir nicht. Ich mache meine Praxis seit 10 Jahren - das ist genug. 3. Haben Sie privat angefangen, alleine angefangen? Ja. In einer sehr kleinen Mietwohnung mit 2 Räumen, 6 und 4.5 Tatami Zimmer und Küche. 4. Können Sie als Akupunkteur in anderen Ländern arbeiten? Was ist besonders gut in Japan? Ich habe japanische Lizenz. In Europa muss man Arzt sein, um Akupunktur zu arbeiten. 5. Wie machen Sie Ihre Praxis bekannt? Zeichen an der Straße, in letzter Zeit gibt es eine HP. Aber wenige Leute kommen dank der HP. Die Hauptwerbung ist die Vorstellung unter Patienten. 6. Sind Sie gegen die westliche Medizin? Nein. Ich bin nicht gegen die westliche Medizin. Westliche Medizin basiert auf der Theorie und Daten, und sie hat viel Materie und wird viel investiert. Aber wir haben keine solche Gelegenheit. Aber die Akupunktur hat historischen Grund. 7. Wie denken Sie über Medizin in Japan? In Japan, ist die Gruppenarbeit sehr schlecht. Japanische Ärzte verdienen sehr viel Geld, aber sind unprofessionell. 8. Haben Sie fachlichen Austausch mit Kollegen? Nicht häufig. Einmal pro Jahr nehme ich an der Fachkonferenz teil, die Zennippon-sinkyugakkai heißt. Wir haben noch manchmal Studiengruppen. Da es so viel kostet, mache ich nicht viel Austausch. Als letzter Gast unserer Interview-Reihe besuchte uns Brigitte, eine Schweizerin, die mit einem Japaner verheiratet ist und schon lange in Japan lebt. Sie ist zusammen mit ihrem Mann sozial engagiert und kümmert sich um "hikikomori"-Kinder. Ein Ausschnitt aus diesem Interview steht als Download zur Verfügung (10.4 MB, 1:02).
1. Seit wann interessieren Sie sich für Probleme von Kindern in Japan? Was war der Anlass dafür? 2. Gibt es etwas, worauf Sie bei der Arbeit besonders achten? 3. Was halten Sie für das grundlegende Problem der Erziehung in Japan? 4. Welche Verbindung gibt es zwischen Ihrem Projekt und Landwirtschaft? 5. Auf welche Weise finden Sie die Kinder für ihr Projekt? |
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